Pro Panoramafreiheit

Für das Recht auf freie Fotografie
Das Bild zeigt die Zeche Zollverein in Essen. Das Foto wurde vom DJV-Einsatzkommando straßenseitig aufgenommen, ohne Einsatz von Leitern oder Enterhaken, und erfüllt damit den Tatbestand des § 59 Urheberrechtsgesetzes. Essen ist dem Vernehmen nach Teil der Kulturhauptstadt 2010, möchte aber Geld, wenn Fotografen das Thema für sich als interessant entdecken.

DJV - Gewerkschaft der Journalistinnen und Journalisten

Denkmäler, Kunstwerke, Bauwerke - was darf eigentlich die Presse?

Von Redaktion • 30.04.08 • Thema: Hintergrund

Die Panoramafreiheit ist kurz gesagt das Recht, Fotos von urheberrechtlich geschützten Häusern, Denkmälern und Kunstwerken ohne Genehmigung des Urhebers dieser Werke zu nutzen. Sie ist in § 59 Urheberrechtsgesetz geregelt. Dieses Recht besteht für jede Person - und auch für gewerbliche Zwecke.

Doch es gibt noch weitere Ausnahmen im Urheberrechtsgesetz für die Presse.

Die Presse und damit die meisten Tätigkeitsfelder von Journalisten sind durch den § 50 Urhebergesetz geschützt, wenn sie Bauwerke, Denkmäler und Kunstwerke fotografieren.

§ 50 Berichterstattung über Tagesereignisse

Zur Berichterstattung über Tagesereignisse durch Funk oder durch ähnliche technische Mittel, in Zeitungen, Zeitschriften und in anderen Druckschriften oder sonstigen Datenträgern, die im Wesentlichen Tagesinteressen Rechnung tragen, sowie im Film, ist die Vervielfältigung, Verbreitung und öffentliche Wiedergabe von Werken, die im Verlauf dieser Ereignisse wahrnehmbar werden, in einem durch den Zweck gebotenen Umfang zulässig.

Die Frage lautet damit: Warum sollte die Einschränkung der Panoramafreiheit ein Problem sein, wenn die Journalisten doch in jedem Fall aus § 50 Urheberrechtsgesetz ein Recht auf Verwendung der Bilder haben?

Antwort: Das Tätigkeitsfeld vieler Journalisten nicht auf die Tagespresse beschränkt. Vielmehr werden ihre Bilder auch in Bildbänden, Kalendern und auch auf Postkarten genutzt. Zunehmend haben Bildjournalisten eigene Bilddatenbanken oder gehören Fotografenpools zur Direktvermarktung ihrer Bilder an, wie etwa dem DJV-Bildportal oder photopool.de. Über solche Kanäle werden Bilder zur multimedialen Nutzung angeboten - viele dieser Nutzungsformen können nicht mehr zur klassischen “Tagespresse” gezählt werden, das heißt, die Ausnahme des § 50 Urheberrechtsgesetzes wirkt hier oft nicht.

Es gab bereits Fälle, in denen der eigentlich nach § 50 Urheberrechtsgesetz zulässige Fotobericht in ein Online-Archiv wanderte - und der Urheber der Werke anschließend erfolgreich gegen die Archivnutzung vorging, Argument - ein Archiv sei keine Tagespresse. Es ist also klar, dass ohne Panoramafreiheit das längerfristige Einstellen von Fotos urheberrechtlich geschützter Werke zum Risiko werden kann. Wobei auch klar sein sollte, dass schon heute die Bereitstellung von Fotos urheberrechtlich geschützter Werke, die sich nicht im öffentlichen Raum befinden, ein Risiko darstellt.

Eine Einschränkung der Panoramafreiheit bedeutet damit in jedem Fall auch für Fotojournalistinnen und Fotojournalisten: Vertriebsmöglichkeiten und damit Verdienstmöglichkeiten wären beschnitten.

Autor des Beitrags ist Redaktion
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ein Kommentar vorhanden »

  1. Wie relevant ist heute das Journalist-sein für die genannten Freiheiten noch?
    Es kann ja heute praktisch jeder Berichterstattung über Tagesereignisse in einem Weblog anfangen.

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