Pro Panoramafreiheit

Für das Recht auf freie Fotografie
Das Bild zeigt die Zeche Zollverein in Essen. Das Foto wurde vom DJV-Einsatzkommando straßenseitig aufgenommen, ohne Einsatz von Leitern oder Enterhaken, und erfüllt damit den Tatbestand des § 59 Urheberrechtsgesetzes. Essen ist dem Vernehmen nach Teil der Kulturhauptstadt 2010, möchte aber Geld, wenn Fotografen das Thema für sich als interessant entdecken.

DJV - Gewerkschaft der Journalistinnen und Journalisten

Schlösserstiftung: Wir wollen kein Monopol, sondern “nur” Partizipation an kommerziellen Ergebnissen

Von Redaktion • 28.07.08 • Thema: News

Die staatliche Schlösserstiftung verteidigt ihre Angriffe und kostenträchtigen Klagen gegen privatwirtschaftlich tätige Fotoagenturen. In einem Schreiben vom 25. Juli 2008, das an Fotografen gerichtet wurde, fordert sie ihre “Partizipation an den kommerziellen Ergebnissen” der Privatwirtschaft mit dem Argument, es sei für den Steuerzahler nicht nachvollziehbar, dass “beispielsweise ein Kalenderverlag mit einem kostenlosen Fotografieren der durch öffentliche Mittel erhaltenen Kulturgüter unserer Stiftung für sich alleine kommerzielle Erfolge erzielt”. Ein Monopol auf Berichterstattung sei nicht beabsichtigt, lediglich die “Partizipation”.

Gegen diese Argumentation spricht allerdings der Umstand, dass die Schlösserstiftung von der Agentur Ostkreuz vor dem Landgericht Potsdam die Unterlassung der Verbreitung von Fotos ihrer Schlösser verlangt - sogar durch Klage. Es handelt sich ja nicht lediglich um eine Klage auf “Partizipation”.

Würde der Argumentation zu folgen sein - würde der Fotografenalltag in Deutschland spannend. In einem Land, in dem ein Großteil der abbildbaren Wirklichkeit dem Steuerzahler gehört (Öffentliche Gebäude, Straßen, Wälder etc.), würde zunächst vor dem “Klick” die Einholung einer Genehmigung zu empfehlen sein. Denn auch der Förster würde natürlich allzu gerne ein wenig Geld für seinen gut gehegten und gepflegten Wald einkassieren, ganz zu schweigen von dem (mutmaßlich zuständigen) Straßenbauamt oder der Autobahnmeisterei - und natürlich wäre auch die Renovierung des Reichstags durch ein kleines Gebührlein voranzubringen. Kein Wunder, dass der Deutsche Kulturrat und - wie man vernimmt - auf seine Initiative hin angeblich auch die Bundesjustizministerin schon an der Einschränkung des § 59 Urhebergesetz basteln, der Bauwerke und Denkmäler im öffentlichen Raum von einer Genehmigungspflicht ausnimmt.

Fotografie von Schlössern ist schon heute nicht, wie die Schlösserstiftung meint, kostenlos. Die privaten Agenturen haben bereits erhebliche Investitionen in ihre Kameraausrüstung getätigt und müssen Personalkosten (bei Kleinagenturen - schlichtweg ihren Lebensunterhalt) finanzieren. Weitere Kostenstrukturen sind Fotografen nicht zumutbar und verhindern konkret weitere Aufnahmen, da nur noch die finanzstärksten Agenturen überhaupt noch zu Produktionen bereit wären (falls überhaupt) - und die öffentliche Hand unter Umständen als Direktvermarkter dann auch noch Kostenvorteile hätte, wenn sie Bilder im eigenen Auftrag produzieren ließe.

Im Übrigen weist die Schlösserstiftung in ihrem Schreiben darauf hin, dass die reine Berichterstattung und die Fotografie durch Touristen zulässig bleibe. Das hatten wir allerdings auch nie anders berichtet.

Bei der Schlösserstiftung oder jedenfalls in ihrem Umfeld liegen offenbar zunehmend die Nerven blank. Unter der IP der Schlösserstiftung wurde erst heute ein Kommentar eingegeben, in dem ein “Max Müller”, der jedenfalls bei der Telefonzentrale der Stiftung nicht bekannt ist und eine kryptisch anmutende GMX-E-Mail-Adresse sein eigen nennt, seinen Unmut kundtut. “Max Müller”, der vermutlich für oder an Computern der Schlösserstiftung tätig ist (relativ unwahrscheinlich: die IP fingiert hat oder sich als Besucher an einen ihrer Computer gesetzt hat) meint: “Ich bin erschrocken darüber, auf welchem Niveau sich die Beiträge zu diesem Thema auf dieser Website befinden. Hier werden Fakten fehlerhaft, stark subjektiv verzerrt und mit viel Polemik wiedergegeben. Paragraphen (§59 und Panoramafreiheit) werden herangezogen, die in diesem Kontext gar nicht zutreffen! Wie kann man journalistisch so schlecht recherchierte Artikel und Beiträge publizieren!? Wollen Sie sich alle mal ordentlich austoben und Dampf ablassen, weil Sie leider nicht alle bei der Bild-Zeitung arbeiten dürfen/können und Ihre Redaktionen Ihnen sonst dieses journalistische Niveau nicht erlauben!? (tschuldigung für die Polemik ;-)”

Hört sich in irgendeiner Weise nach einem empörten Juristen oder einer ähnlichen Profession an. Wer sich dahinter verbergen mag?

Autor des Beitrags ist Redaktion
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ein Kommentar vorhanden »

  1. Das die Stiftung “Partizipation” erwuenscht ist nun bekannt. Ich denke dass die Stiftung sehr unverschaemte Preise fuer von anderen Kuenstlern gemachte Bildern verlangt. Es geht da um hunderte von Euros fuer ein einziges laecherliches Bild . Die Preise und Preislisten werden frech und frei von ungewaehlten undemokratisch ans Ruder gelangten Buero Angestellten ersonnen. Da ist eben auch die “Freiheit” der kuenstlerisch begabten Buerger die auf eigenes Risiko noch in dieser Welt arbeiten und dem Staat der die Stiftung finanziert das Steuergeld fuer jedes verkaufte Kunstwerk (Foto, Bild, Datei), abliefern, vollkommen willkuerlich beschnitten. Wer kontrolliert denn diese unverschaemten “Partizipationskosten” seiner “Majestaeten” im Stiftungs Schloesslein Nimmersatt ? Trop de Soucis a Sanssouci Messieurs !

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