Pro Panoramafreiheit

Für das Recht auf freie Fotografie
Das Bild zeigt die Zeche Zollverein in Essen. Das Foto wurde vom DJV-Einsatzkommando straßenseitig aufgenommen, ohne Einsatz von Leitern oder Enterhaken, und erfüllt damit den Tatbestand des § 59 Urheberrechtsgesetzes. Essen ist dem Vernehmen nach Teil der Kulturhauptstadt 2010, möchte aber Geld, wenn Fotografen das Thema für sich als interessant entdecken.

DJV - Gewerkschaft der Journalistinnen und Journalisten

Fotos verboten! Schlösserstiftung erfolgreich vor Gericht gegen Sanssouci-Fotos - Protest gegenüber politisch Verantwortlichen notwendig

Von Redaktion • 21.11.08 • Thema: News

Fotoagenturen dürfen Fotos von Schloss Sanssouci und anderen Liegenschaften im Eigentum der Schlösserstiftung Berlin-Brandenburg nicht ohne deren Genehmigung zum Verkauf anbieten. Das hat heute das Landgericht Potsdam entschieden. Die schriftlichen Urteilsgründe liegen noch nicht vor. Die Schlösserstiftung hatte von der Fotografen-Agentur Ostkreuz Auskunft und Unterlassung gefordert.

Mögliche Folge des Urteils, gegen das - auch mit Unterstützung des DJV - Berufung eingelegt wird: Keine Panoramafreiheit mehr in öffentlichen Parks und Liegenschaften, wenn deren Besitzer der verantwortungslosen Politik der Schlösserstifung Berlin-Brandenburg folgen. Der DJV wird sich zusammen mit anderen Organisationen bundesweit dafür einsetzen, dass andere öffentlichen Einrichtungen diesem Negativbeispiel nicht folgen. Schon heute sorgt die Ausschlusspolitik der Stiftung dafür, dass Bilder von Sanssouci aus Kalendern und Bildbänden fliegen und stattdessen andere Kulturdenkmäler abgebildet werden.

Die Verwendung der Bilder in der Tagespresse ist zwar nicht unmittelbar gefährdet, da die “reine” Presseverwendung von der Schlösserstiftung derzeit nicht angegriffen wird. Da Bilder allerdings heutzutage ausschließlich über Datenbanken vertrieben werden, in denen eine Differenzierung nach Kunden aus Tagespresse oder aber Buchverlagen bzw. abhängig vom Verwendungszweck praktisch undurchführbar ist, bedeutet das Urteil auch einen mittelbaren Eingriff in die Pressefreiheit. Denn die Presse wird am schnellen Zugriff auf Bilder über Datenbanken behindert.

Fotografen, gleich ob Profis oder Fotoamateure, sind aufgerufen, sich bei ihren Bundestagsabgeordneten, allerdings auch und gerade bei den Berliner und Brandenburger Landesregierungen durch persönliche Anschreiben für einen Kurswechsel einzusetzen. Die Wirkung persönlicher Intervention darf nicht unterschätzt werden - daher der Appell an alle fotografisch und kulturell Interessierten dazu, zur Feder zu greifen.

PS: Warum wir Ihnen kein Musterschreiben anbieten? Noch einmal: Unterschätzen Sie nicht die Wirkung eines individuell begründeten Schreibens, in dem Sie auch sich selbst kurz vorstellen und vielleicht auch noch eine Arbeitsprobe/Referenz beilegen. Genauso wie wir Sie bitten, Ihnen persönlich gut bekannte politisch Verantwortliche zum Thema anzusprechen, erneut mit eigenen Argumenten. Wir wissen, dass Sie eigene Argumente haben, und vielleicht auch gerade solche, mit denen Sie politisch Verantwortliche mobilisieren können.

Lesenswert ist hierzu der Beitrag aus der Märkischen Allgemeinen von heute.

Autor des Beitrags ist Redaktion
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9 Kommentare (letzte zuerst) »

  1. Und genau von diesen Beiträgen fängt der Blog an interessant zu werden.

  2. Mir faellt hierzu noch ein das die Produktion und der Vertrieb der hausgemachten Bilder durch die Stiftung auch nicht den allgemeinen Spielregeln des marktwirtschaftlichen Wettbewerbes unterliegen. Die Stiftung kann sehr gut mehr (freundliche) Fremdenfuehrer, Restauratoren und Gaertner einstellen und die Produktion von Fotos, Andenken Artikeln und Postkarten feischaffenden Menschen ueberlassen und die so kostenlos, sorgenfrei erzeugten Artikel einkaufen je nach Bedarf und so viel mehr Auswahl den Besuchern in den Schlosslaeden anbieten, verkaufen und gutes Geld verdienen. Durch den Aufbau einer den freien Markt konkurrierenden kommerziellen Organisation im Schutze einer per Definition gewinnlos agierenden Stiftung die vom Steuergeld der Buerger getragen wird entsteht ein Staat im Staate mit undurchsichtigen “Hof” Lieferanten die sich durch unerkennbare Kriterien dauer-priviligierte Verkaufsmoeglichkeiten und nun sogar nie dagewesene Monopole schuetzen und durch die Hintertuer Steuergelder aus der Stiftung ueber Subunternehmen abziehen. Ausserdem kann die Stiftung ja auch die eigenen Bilder Ihrer vermeintlichen “Hof-Fotografen” (moderne StiftungsFotos) in alle Agenturen der Welt im fairen Wettstreit mit den anderen Kuenstlern einstellen und vermarkten. Ob dann die Internationalen Kunden genau Ihre Bilder auswaehlen und die Stiftung so die mit den Agenturen vereinbarten ueblichen Kommissionen einkassieren kann ist eben die “Kunst” die bei weitem die Polizeistaatmethoden im Parkbereich uebertreffen wird. Es ist hoffentlich auch so dass Bilder von den Schloessern und Gaerten die vor der neuen Regelung und dem Entstehen der Stiftung entstanden sind NICHT dieser schlechten Entscheidung unterliegen werden! Man stelle sich vor das so selbst historische bereits tausendfach verbreitete Abbbildungen von Sanssouci auch noch gebuehrenpflichtig werden koennten! Es gibt die kommerzielle Fotografie im Park Sanssouci schon seit 150 Jahren….. Bald kommt dann noch das “Floetenkonzert” als “Innenaufnahme” auf die schwarze Liste?

  3. Jetzt ist es wieder so weit, erst wird das kommerzielle Fotografieren von Sanssouci verboten, dann irgendwann das private Fotografieren, dann das Malen und Zeichnen. Wo soll das noch hinführen? Ob der Alte Fritz das so gewollt hat? Sagt VW demnächst, dass seine Autos nicht mehr auf Fotos zu erscheinen haben? Klagt jeder Jeanshersteller wenn sein Produkt an einem Promi in der Presse erscheint? Muss Google Earth seine Seiten schließen weil es da Luftaufnahmen von Baudenkmälern gibt? Vielleicht hätte die DDR Sanssouci doch nicht wieder aufbauen sollen, dann gäbe es jetzt nicht diesen Wahnsinn. Unendlich viele Menschen kommen aufgrund von jetzt verbotenen Fotos nach Potsdam um die Schlossanlagen zu bewundern. Offenbar geht es einigen Leuten einfach zu gut, so dass sie jeden Realitätssinn verloren haben.

  4. Ich verfolge dieses Thema seit gut 1 Jahr. Damals hörte ich von einem Webdesginer, dass er wegen eines Bildes vom Schloss Sanssouci auf seiner Startseite angeschrieben wurde. Seit dem hörte ich einiges, was nur noch Kopfschütteln auslöste. Das blödste an der ganze Sache finde ich, dass ich wieder so ein komisches Gefühl beim Fotografieren bekommen habe, wie ich es nur aus alten Überwachungszeiten der DDR kenne. Damals war ja auch alles möglich und unmögliche verboten.
    Jetzt wird man an vielen Orten in Berlin mit Überwachungskameras und ähnlichen gefilmt (verfolgt), da fragt niemand nach meinem Recht am Bild. Aber mache ich ein künstlerisches Bild vom Schloss Sanssouci, werde ich fast kriminalisiert.
    Wenn man das ein wenig Überspitzt passiert vielleicht bald folgendes:
    Demnächst meldet sich bei mir die Deutsche Bahn, warum ich den ein Gleisanlagen-Weiche im Gegenlicht fotografiert habe und in einer Ausstellung veröffentlicht habe? Schließlich ist das doch verboten, weil sie noch keine 70 Jahr ist.

  5. Ich kann nur hoffen, daß die Reaktionen darauf der Schösserverwaltung spürbar an die Kasse geht. Wenn es keine Berichte und Bilder mehr von deren Parks und Schlößern gibt, werden sie merken daß sie sich ein Eigentor geschoßen haben. Besucher kommen durch Berichte über die Schlößer und Parks. Wenn es keine Meldungen mehr dazu gibt, wird die Bedeutung für die Besucher zurückgehen, und die Schlösserstiftung Berlin-Brandenburg muß dafür teuer bezahlen, daß es einen wohlwollenden Bericht mit Bildern über ihre Liegenschaften gibt. Das wäre ein klassisches Eigentor, wenn deren Bilder nirgends mehr gedruckt werden. Ich hoffe, daß keiner mehr interesse an deren Bildern zeigt. Das wäre die einzig richtige Reaktion darauf. Die wollen daß man für Bilder bezahlt, was aber, wenn die teuer dafür bezahlen müßen, daß sie überhaupt noch irgenwo erscheinen ? Kein Schwein braucht deren Bilder!! Es gibt genug andere Sehenswürdigkeiten !!

    Franz

  6. Deutsche Sesselwärmer haben sich wieder einmal echten bullshit ausgedacht.
    Ein Aufschrei sollte durch die Reihen der Fotografen und Journalisten gehen. Mit gesundem Menschenverstand ist solch ein Mist nicht fassbar.

  7. Ich habe in meinem Weblog über den Fall berichtet und kurz zuvor eine Besprechung der Dissertation von Lehment veröffentlicht, der der Auffassung des LG Potsdam den juristischen Boden entzieht:

    http://archiv.twoday.net/stories/5337065/

    Es wäre wichtig, die Urteilsgründe sofort nach Bekanntwerden zu veröffentlichen.

    Das Eigentumsrecht der Stiftung wird hinsichtlich der gewerblichen Nutzung von Fotografien vollständig überlagert von der öffentlichrechtlichen Widmung.

  8. Natürlich unterstütze ich diese Initiative. Wenn das so weitergeht wird man bald bei jedem Foto um Erlaubnis bitten oder eine Gebühr zahlen müssen - egal ob privater oder öffentlicher Besitz. Übrigens bezahlt jeder von uns über die Steuern doch jetzt bereits mit an den Sanierungsarbeiten solcher Gebäude. Soll ich jetzt noch einmal bezahlen, nur weil mein Foto evtl. von einem Verlag genutzt werden soll? Denn der Verlag wird letztlich versuchen müssen die Kosten irgendwie umzulegen.
    Aber warum wundert mich so etwas in Brandenburg überhaupt? Hier ist man seit Jahren offensichtlich mehr als Kurzsichtig. Und der Werbung für unser Land wird es zudem noch schaden. Die Bilder, insbesondere aktuelle, werden zunehmend aus Publikationen verschwinden. Das scheint aber niemanden zu stören.

  9. Die ungezügelte Geldgier, die in unserer Gesellschaft weitverbreitet Fuß gefasst hat (Banken, “Heuschrecken”, Mega-Steuersünder), zeigt sich jetzt auch bei öffentlichen Institutionen, die längst vom Steuerzahler alimentiert über Millionenbeträge verfügen. Woher nehmen sich deren Vertreter das Recht, Kulturgüter, die seinerzeit ebenfalls auf Kosten des Bürgers errichtet wurden, für ihr ausschließliches Verfügungsrecht zu reklamieren? Ich verstehe diese Rechtssprechung längst nicht mehr.

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