Pro Panoramafreiheit

Für das Recht auf freie Fotografie
Das Bild zeigt die Zeche Zollverein in Essen. Das Foto wurde vom DJV-Einsatzkommando straßenseitig aufgenommen, ohne Einsatz von Leitern oder Enterhaken, und erfüllt damit den Tatbestand des § 59 Urheberrechtsgesetzes. Essen ist dem Vernehmen nach Teil der Kulturhauptstadt 2010, möchte aber Geld, wenn Fotografen das Thema für sich als interessant entdecken.

DJV - Gewerkschaft der Journalistinnen und Journalisten

Google Street View: Die Panoramafreiheit der Bildjournalisten nicht vergessen!

Von Redaktion • 30.04.10 • Thema: News

Der Deutsche Journalisten-Verband warnt davor, mit der Gesetzgebung gegen Google Street View über das Ziel hinauszuschießen. Die berechtigten Interessen der Bildjournalisten an Fotografie im öffentlichen Raum dürfen nicht vergessen werden, warnt der DJV in einer Pressemitteillung und lädt zudem in einem knuddeligen Kommentar zur Diskussion ein.

Autor des Beitrags ist Redaktion
Schicken Sie dem Autoren eine Mail | Alle Meldungen von Redaktion

5 Kommentare (letzte zuerst) »

  1. Ja, ich finde auch das der Blick hier ein sehr (lobbyistisch) kurzsichtiger ist.

    Zum einen müßte nämlich mal der Begriff “Panorama” geklärt werden, in Bezug auf Zoom-Bild-Animationen, die mit drei Mausklicks u.a. ausreichend gut aufgelöste Bildausschnitte und “Crops” mit pinkelnden Bauarbeitern, rauchenden Grundschülergruppen und halbnackten jungen Frauen erlauben. Gut erkennbar und kaum erfolgreich anonymisiert.

    Zum anderen die Frage, warum Privat- oder Berufsfotografen sich für solche Aufnahmen, und erstrecht deren Veröffentlichung, eine VORHERIGE Genehmigung einholen müssen, Google dies scheinbar aber nicht zu tun braucht, und noch gerade gnädig genug sein darf, ein Widerspruchsformular einzurichten, und damit auch noch durch- und davon zu kommen scheint.
    Wie schon bei Googles “Bücher-Scan-Aktion”, wo jegliche geltenden Urheberrechte und Unterlassungsaufforderungen einfach ignoriert wurden und nach eigenem Gusto durchgezogen und weitergemacht werden konnte.

    Wenn der DJV diese Art von (Foto-)Rechtsauslegung und Vorgehensweise toleriert und unterstützt, schadet er seinen Mitgliedern nur selbst, weil dadurch nicht nur der eigenmächtigen Rechtsauslegung und Praxisverfahrensweise (auch der “Mitbewerber/Konkurrenten”) Tür und Tor geöffnet wird, sondern auch die Ablehnung und Skepsis auf Seiten der Öffentlichkeit und “menschlichen Fotomotive” & “Fotomotivbesitzer”, die ihre Rechte und Entscheidungsfreiheit mit Füßen getreten empfinden, und dann vielleicht mehr und mehr Zustände wie in der hier beklagten “Zeche Zollverein” eintreten und sich mehren.
    Und niemand mehr sich oder seine eigenen Räume und Besitzgüter fotografieren lassen will - oder nur noch gegen sehr genaue Information über die Verwendung oder hohe Geldforderungen (und nicht jeder Fotograf “ist” DSDS oder Amica).

    Ich sehe den Google-Vorstoß da sehr kritisch, und für die Arbeit von Bild-Journalisten und Fotografen im Bereich Reportagefotografie, Reisefotografie und v.a. Sozialdokumentarische Fotografie eher kontra-produktiv und nachteilig.

  2. Übrigens: Der DJV sollte sich mal von der Lobbyrhetorik verabschieden.

    “Satzungen sollten daher so gefasst sein, dass sie effektiv nur das konkrete Vorhaben von Google (also Google Street View) und anderen Firmen mit entsprechenden Vorhaben treffen, nicht aber auch noch Bild- oder TV-Journalisten, die nur für Medien arbeiten (oder Kunstprojekte betreuen).”

    Das heißt übersetzt: “Wir sind gegen solche Gesetze, weil wir sie offiziell falsch finden und wir offiziell das höhere Rechtsgut verteidigen wollen. Uns ist aber völlig schnuppe, wenn Leuten, die nicht bei uns Mitglied sind, dieses Rechtsgut entzogen wird.”

    Und das ist einfach nur armselig und eines Journalistenverbands nicht würdig.

    Pro Panoramafreiheit, und zwar für alle! (Auch Google, auch Hobbyfotografen, auch Wikipedianer). Das ist die einzige Devise, die hier zählt.

  3. Leider wird Google wohl gegen diese m. E. klar verfassungswidrigen, freiheitsbeschneidenden Mittel, die der kranken Allmachtsphantasie unserer Kommunalpolitiker entspringen, nicht vorgehen. Bonn (und weitere Städte) sind einfach zu unwichtig für diesen Weltkonzern, und ein paar Euro tun dem auch nicht weh.

  4. Der DJV hat bereits anlässlich der Hamburger Diskussion um Google Street View die Politik dazu aufgefordert, die Rechte der Bildjournalisten zu wahren, siehe http://bit.ly/bkbKuK. Satzungen sollten daher so gefasst sein, dass sie effektiv nur das konkrete Vorhaben von Google (also Google Street View) und anderen Firmen mit entsprechenden Vorhaben treffen, nicht aber auch noch Bild- oder TV-Journalisten, die nur für Medien arbeiten (oder Kunstprojekte betreuen).

    Wie sollten Satzungen, die sich gegen Google Street View & Co. wenden, also formuliert sein?

    - Der Kritikpunkt an der Kamera-Erfassung muss an der Verknüpfung von Bildern mit Suchmaschinen etc. anknüpfen, also der umfassenden Erfassung von Daten über Personen, nicht einfach am “Bild” schlechthin.

    - Regelungen, die einfach die fotografische Erfassung von Straßenzügen generell reglementieren wollen, ohne weitere Einschränkung, behindern dagegen fotojournalistische Darstellungsformen (genauso wie TV-Berichterstattung). Sondernutzungsregelungen oder Verbote müssen genauer gefasst werden; ansonsten wird das Recht der Panoramafreiheit gefährdet.

    Städte und andere zuständige Stellen sollten diese Maßgaben schon deswegen beachten, weil ihnen ansonsten die Unwirksamkeit der gesamten Regelung drohen könnte.

  5. Kamerafahrten für “Google-Street-View” fallen in Bonn ab sofort unter die Sondernutzung und erfordern eine Genehmigung. Nach mehrheitlichem Beschluss des Stadtrates und einer entsprechenden Dringlichkeitsentscheidung hat Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch die Änderung der Sondernutzungssatzung unterzeichnet. Demnach müsse Google pro Straßenkilometer 20 Euro an die Stadt zahlen. Nun habe ich mal einige Fotos der Straßen meiner Umgebung gemacht und werde Sie auf meinem Blog und dem Onlinemagazin NeueNachricht veröffentlichen. Die Pressesprecherin der Stadt Bonn konnte mir bislang keine Antwort geben, ob ich auch unter die Sondernutzungsregelung falle oder nicht? Auch fragte ich nach dem Unterschied meiner beruflichen Tätigkeit als Redakteur, der auch öffentlich Straßen ablichtet und der Tätigkeit von Google - diese Frage konnte mir die Pressesprecherin ebenso wenig beantworten. Die Kommunen preschen jetzt also über Satzungsänderungen vor, die man recht schnell beschließen kann - wie das Beispiel Bonn zeigt. Was sagt Ihr dazu?

propanorama.jpg

Hinterlassen Sie eine Antwort / Unterstützen Sie den Appell "Pro Panoramafreiheit".