Pro Panoramafreiheit

Für das Recht auf freie Fotografie
Das Bild zeigt die Zeche Zollverein in Essen. Das Foto wurde vom DJV-Einsatzkommando straßenseitig aufgenommen, ohne Einsatz von Leitern oder Enterhaken, und erfüllt damit den Tatbestand des § 59 Urheberrechtsgesetzes. Essen ist dem Vernehmen nach Teil der Kulturhauptstadt 2010, möchte aber Geld, wenn Fotografen das Thema für sich als interessant entdecken.

DJV - Gewerkschaft der Journalistinnen und Journalisten

Stiftung Zollverein im Mahnsinn: Wir mahnen wegen Bildern nicht ab, sondern mahnen nur

Von Redaktion • 26.07.10 • Thema: News

Wie das Pottblog herausgefunden hat, haben sich Fotografen offenbar nur irrtümlich als abgemahnt angesehen. Denn laut Stiftung Zollverein wurden sie nicht zwecks Zahlung für veröffentlichte Fotografien abgemahnt, sondern angemahnt. Worin der praktische Unterschied für die Fotografen bestehen soll, dürfte sich nur solchen Leuten erschließen, die sich mit juristischen Begrifflichkeiten eine Locke auf ihrer Glatze zu wickeln pflegen. Für Fotografen heißt Ab-, An- oder auch nur schlichte Mahnung jedenfalls: sie können ihre Bilder nicht mehr risikolos anbieten, da sie sich im Falle einer erfolgreichen Zahlungsklage aus keiner Portotasche bedienen können.

Darüber hinaus meint die Stiftung laut Pottblog, dass nichtkommerzielle Nutzungen kostenfrei seien, eigentlich auch viele kommerzielle Nutzungen. Seltsam ist es aber, wenn sie Fotografen Zahlungsaufforderungen beispielsweise für folgenden Tatbestand geschickt hat:

“Motivgebühren für die Nutzung auf der Internetseite…:

a) Auf einer Unterseite Ihrer Homepage bei einer Nutzungsdauer von 6 Monaten pro Motiv: 180 Euro
Bei einer Nutzungsdauer von einem Jahr: 310 Euro

…Bei Vorträgen (nicht kommerzieller Nutzung): 240 Euro”

(…)

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ein Kommentar vorhanden »

  1. Die Aktion der Stiftung Zollverein ist an Absurdität kaum zu überbieten. Rund um das Gelände führen Straßen, von denen man ausgezeichnet nahezu alle Gebäude fotografieren kann. Diese sind - bisher? - nicht als Privatstraßen gekennzeichnet und führen nahtlos auf das Gelände zu öffentlichen Parkplätzen. Ich gehe davon aus, dass sämtliche Straßen der Stadt und nicht der Stiftung gehören.
    Als langjähriger Mieter auf dem Gelände ist es mir sehr bekannt und ich habe dort immer Fotografen gesehen, die sich auch aufgrund der Offenheit des Geländes immer panoramafrei fühlen durften. Als Essener begrüße ich jede Fotografie der Gebäude als kostenlose Werbung für die Stadt. Natürlich kann die Panoramafreiheit nicht mehr in den Gebäuden oder bei aufwendigen Modeshootings direkt am Gebäude geltend gemacht werden - obwohl wir uns hier wahrscheinlich auch bereits in einer Grauzone befinden. Der Wunsch an den immensen Einnahmen der freiberuflichen Fotografen beteiligt zu werden entspricht der völlig Foto-weltfremden Vorstellung einer Verwaltung.
    Die “Mahnaktion” der Stiftung Zollverein kann nur als Versuch gewertet werden, die bald wohl fehlenden Mittel in Millionenhöhe, an die man sich bereits gewöhnt hatte, mit Hilfe von Gerichten und der MFM-Liste zu erhalten. Was mich daran am meisten ärgert, ist die Zeit- und Geldverschwendung für solche kontraproduktiven Aktionen von öffentlichen Stiftungen. Die Anwaltskosten und die Kosten der Mitarbeiter in den Stiftungen übersteigen längst die erreichbaren Einnahmen durch solch fragwürdige Unternehmungen. Dies kann jeder einschätzen, der schon mal vor Gericht um Nutzungshonorare gekämpft hat.
    Zudem sind die gleichen Stiftungen niemals bereit, vernünftige Honorare für Aufnahmen ihrer Gebäude zu zahlen, sondern gehen im Gegenteil immer selbstverständlich von kostenloser Mehrfachnutzung einmal günstig erworbener Fotos aus - hier gilt die MFM natürlich nicht mehr.

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