Pro Panoramafreiheit

Für das Recht auf freie Fotografie
Das Bild zeigt die Zeche Zollverein in Essen. Das Foto wurde vom DJV-Einsatzkommando straßenseitig aufgenommen, ohne Einsatz von Leitern oder Enterhaken, und erfüllt damit den Tatbestand des § 59 Urheberrechtsgesetzes. Essen ist dem Vernehmen nach Teil der Kulturhauptstadt 2010, möchte aber Geld, wenn Fotografen das Thema für sich als interessant entdecken.

DJV - Gewerkschaft der Journalistinnen und Journalisten

Panoramafreiheit - ein historisches Relikt?

Von Redaktion • 30.04.08 • Thema: Hintergrund

1907 wurde die Einführung der Panoramafreiheit damit begründet, dass die lizenzfreie Fotografie “patriotischen Zwecken” diene und auch vom “sozialen Standpunkt” zu Gunsten von Fotografen und ihren Kleinverlegern erforderlich sei. Sicherlich würde heute kaum jemand noch mit dem Begriff “patriotisch” hantieren, aber es gibt eine gute Reihe von Gründen, dieses Fotografen- und Bürgerrecht aufrecht zu erhalten.

Die kosten- und genehmigungsfreie Verbreitung von Bildern von Kunst- und Bauwerken dient beispielsweise:

- dem eigentlichen Zweck der meisten Kunstwerke im öffentlichen Raum, in die Öffentlichkeit zu kommunizieren (Kommunikationswirkung für das einzelne Kunstwerk)

- Publizistik macht häufig erst auf bestimmte Denkmäler und Kunstwerke aufmerksam, die ansonsten unbemerkt bliebe (Kommunikationswirkung pro Kultur)

- Fotografen schaffen auf Grund eigener Wahl der Perspektiven, der Tageszeit, des Lichts etc. eigene Versionen des Kunstwerks und damit neue Interpretationsmöglichkeiten

- Der Kommunikation im Internet; dort haben viele Bürger, Vereine und Institutionen einen neuen Kommunikationsraum geschaffen, in dem gerade auch Fotos eine große Rolle spielen, beispielsweise zur Bebilderung von Homepages und Blogs wie auch direkt in Vereinigungen von Fotoliebhabern (flickr, fotocommunity.de etc.); durch Streichung des § 59 Urhebergesetz wäre hier die Widerspiegelung von Realität (einer der Ansprüche des Internets) in Frage gestellt.

Darüber hinaus sind die „vom sozialen Standpunkt [bestehenden] Bedenken […], da sich an den freien Verkehr, namentlich mit Ansichtspostkarten und photographischen Abbildungen, die Interessen zahlreicher kleiner Gewerbetreibender knüpfen“, die 1907 bestanden, auch heute in keiner Weise entfallen, ganz im Gegenteil:

- Viele Fotografen vertreiben Bilder gerade in den letzten Jahren über Internetseiten direkt, beispielsweise www.photopool.de; www.djv-bildportal.de; www.d-foto.net; www.iris-blende.de, einen guten Überblick über Bildagenturen gibt auch www.fotomarktplatz.de

- Im Bundesverband Deutscher Pressebild-Agenturen sind zahlreiche kleine und mittlere Agenturen von der 1-Personen-Agentur aufwärts organisiert

- Viele Organisationen und Bürger bieten ihre Bilder kostenpflichtig oder kostenlos über Internetdienste wie flickr.com, fotolia.com, istockphoto.com, pixelquelle.de etc. an

Hinzu kommt, dass Denkmäler, Kunstwerke oder Architektur im öffentlichen Raum schlichtweg ein wesentliches Element unverrückbarer Realität sind, die sich dem Nutzer des öffentlichen Raums nicht nur als unterhaltende Dienstleistung darstellt, die daher zu bezahlen wäre, sondern genauso als - neutral ausgedrückt - raumprägende Dinglichkeit, manchmal auch – negativ gesehen – einfach nur belastende Realität ist, optisch schwer erträglicher Ausdruck der ästhetischen Vorstellungen zeitgenössischer öffentlicher (und/oder privater) Kulturverantwortlicher.

Diese darzustellen ist ein Auftrag zeitgenössischer Berufsfotografie und im Übrigen das Recht eines jeden Bürgers.

Autor des Beitrags ist Redaktion
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